Kanalnetz

Die Entsorgungsgebiete des Verbandes liegen zwischen den Seehöhen  486 m üA (Villach Drautschen) und 1.906 m üA (Gipfelhaus Gerlitzen). Der Verbandsbereich erstreckt sich von den Tiebelquellen im Norden Himmelbergs bis hin zum Strußnigteich südöstlich der Stadt Feldkirchen,  weiters über den gesamten Ossiacher See eingebettet zwischen der Gerlitzen und den Ossiacher Tauern sowie das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Landskron mit den Ortschaften Wollanig, Vassach, St. Andrä, St. Ruprecht, Landskron, Neulandskron, St. Magdalen, Zauchen, Drautschen und St. Ulrich. Im Gegendtal reicht der Verbandsbereich bis nach Verditz.

Der Wasserverband Ossiacher See besteht aus folgenden 6 Mitgliedsgemeinden:

  • Feldkirchen,
  • Himmelberg,
  • Ossiach,
  • Steindorf,
  • Treffen,
  • Villach (Bereich ehemalige Gemeinde Landskron).

Übersicht des Verbandskanalnetzes:

  • Rund 810 km Kanallänge.
  • Rund 31.000 Schachtbauwerke.
  • 230 Außenstellen (215 Pumpstationen, Übernahmestellen, Ausleitungsbauwerke, Kontrollstellen und sonstige Überwachungspunkte).

Geografisches Informationssystem (GIS)

Zur effizienten Verwaltung des weitläufigen Kanalnetzes setzt der Wasserverband Ossiacher See auf ein modernes Geografisches Informationssystem (GIS).

Die Kanaldaten werden in zwei spezialisierten Datenbanken geführt und zusätzlich im GIS online bereitgestellt. Dadurch sind sämtliche Informationen für die Mitarbeiter rasch, übersichtlich und ortsbezogen abrufbar.

Im GIS werden das Kanalnetz sowie relevante Anlagenteile – wie beispielsweise Pumpwerke – lagegenau dargestellt. Als Hintergrundkarten können unter anderem folgende Datenquellen eingeblendet werden:

  • Katasterdaten und Hausnummern
  • Orthofotos
  • Basemaps
  • Österreichische Karte (ÖK)

Zusätzliche Informationen wie Instandhaltungsmaßnahmen, Begutachtungsintervalle oder wiederkehrende Prüfungen durch externe Stellen können direkt im System abgefragt und bearbeitet werden.

Datengrundlagen

Die Erstellung und Aktualisierung der GIS-Daten erfolgt durch:

  • Schachtvermessungen mittels GPS
  • Messung der Schachttiefen
  • Einmessung von Leitungen bei offener Künette (sofern möglich)
  • Auswertung von Aufmaßblättern der ausführenden Baufirmen

Derzeit sind beim WVO zwei Vermessungsgeräte der Firma Leica im Einsatz.

Anwendung im Betriebsalltag

Das GIS dient nicht nur der grafischen Darstellung des Kanalnetzes, sondern ist ein zentrales Werkzeug für:

  • Instandhaltungsplanung
  • Dokumentation durchgeführter Maßnahmen
  • Verwaltung von Pumpwerken und Sonderbauwerken
  • Erfassung privater Haltungen und Schächte
  • Nachverfolgung abgeschlossener Projekte

Abgeschlossene Maßnahmen werden archiviert und nicht gelöscht, wodurch eine lückenlose Historie sämtlicher Arbeiten gewährleistet ist.

Grundstücks- und Verfahrensinformationen

Eine besondere Bedeutung kommt dem GIS bei der Verwaltung grundstücksbezogener Informationen zu.

Dazu zählen beispielsweise:

  • Hinweise zu Zugänglichkeiten
  • Dokumentationen von Stellungnahmen in Bauverfahren
  • Vereinbarungen oder Übereinkommen mit Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern
  • Kennzeichnung von Übergaben oder Zuständigkeiten

Sanierungen und Sonderbereiche

Da Teile des Kanalnetzes bereits über 50 Jahre alt sind, wurden in vielen Bereichen Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Für den Außendienst ist es wesentlich, diese Bereiche eindeutig erkennen und die jeweilige Sanierungsart sowie das Ausführungsjahr abrufen zu können.

Sanierte Haltungen sind im GIS gesondert gekennzeichnet und direkt abfragbar.

Beispiel einer Instandhaltungsansicht im GIS

In der grafischen Darstellung werden unterschiedliche Elemente farblich unterschieden:

  • Rote und blaue Linien: bestehendes Kanalnetz
  • Grüne Linien: sanierte Haltungen (inklusive Detailinformationen zu Art und Jahr der Sanierung)
  • Orange Kreise: Schächte mit Maßnahmen oder wiederkehrenden Kontrollen
  • Zweifarbig grüne Kreise: Sonderobjekte mit speziellen Einleitungen (z. B. Gastronomiebetriebe, Tankstellen, Lebensmittelmärkte) mit verpflichtenden Fett- oder Ölabscheidern
  • Gelbe Umrandungen: zusätzliche Informationen zu Gebäuden, Grundstücken oder Anlagenteilen (z. B. Vereinbarungen, Stellungnahmen, Nutzungsrechte)
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Geografisches Informationssystem (GIS)

Planauskünfte

Bei Anfragen zum Kanalbestand (Planauskünfte) wird den Antragstellern ein entsprechender GIS-Auszug als PDF zur Verfügung gestellt.  (Link Planauskünfte) 

Dieser enthält in der Regel die Darstellung mit Kataster, Hausnummern und Naturdaten in einem angepassten Maßstab.

Das Geografische Informationssystem ist somit ein zentrales Instrument für Planung, Dokumentation und nachhaltige Bewirtschaftung des Kanalnetzes und trägt maßgeblich zur langfristigen Sicherung der Infrastruktur im Verbandsgebiet bei.

Seeleitung

Veranlassung und Sanierungsvorschlag

Die Wasserqualität des Ossiacher Sees hatte sich in den Jahren 1964 bis 1967 durch die Einleitung von bestenfalls mechanisch gereinigtem Abwasser drastisch verschlechtert, sodass klar wurde, dass die aus der Stadt Feldkirchen und den am Ossiacher See liegenden Ortschaften stammenden häuslichen Abwässer vom See ferngehalten werden mussten. Zum damaligen Zeitpunkt war in der Abwasserreinigung  die Entfernung von Kohlenstoffverbindungen aus dem Abwasser Stand der Technik, die Entfernung der den Ossiacher See stark belastenden Nährstoffe Stickstoff und besonders Phosphor war in der Abwasserreinigung nur wissenschaftlich erforscht, wurde aber in der Praxis nur in Sonderfällen angewendet; diese chemischen Reinigungsverfahren beließen nach wie vor eine Restfracht von Nährstoffen im geklärten Abwasser. Die Ziviltechniker Hausleitner-Kauderer-Lengyel schlugen daher bereits in der Studie 1968 und im Sanierungskonzept 1969 zwei technische Grundsätze vor, welche eine 100% Fernhaltung der aus dem Abwasser stammenden Nährstoffe vom Wasserkörper des Ossiacher Sees vorsahen:

  • Ableitung des gereinigten Abwassers der Kläranlage Feldkirchen aus dem Einzugsgebiet des Ossiacher Sees durch Überpumpen des Kläranlagenablaufes über die Wasserscheide in das Einzugsgebiet der Glan ( ca. 2,3 km Druckleitung mit ca. 24 m geodätischem Höhenunterschied).
  • Ableitung des Abwassers der Ortschaften am Seeufer zu einer Kläranlage westlich des Ossiacher Sees oder zur geplanten Kläranlage der Stadt Villach.

Technischer Lösungsvorschlag

Da die Schwerpunkte des Abwasseranfalles am Ufer des Ossiacher Sees naturgemäß auf derselben Ebene lagen, war eine Ableitung des Abwassers zum Westende des Sees nur mit einem System aus Pumpstationen und Druckleitungen möglich. Eine Verlegung der Druckleitungen am Lande hätte neben der Zustimmung aller betroffenen Grundeigentümer auch eine lange Bauzeit benötigt. Die Zivilingenieure schlugen daher die Verlegung von verschweißten Kunststoffrohren am Boden des Ossiacher Sees vor; diese Verfahren war bislang nur für Transportleitungen von Trinkwasser angewendet worden. Die Seedruckleitungen verbinden neun Hauptpumpstationen bei den Siedlungsschwerpunkten mit dem Anlandungsschacht am Westende des Ossiacher Sees. Vom Anlandungsschacht weg fließt das gepumpte Abwasser im freien Gefälle zur Kläranlage Villach, wo es entsprechend dem Stand der Technik gereinigt in die Drau eingeleitet wird.  Die Pumpstationen und Druckleitungen wurden 1970 errichtet und konnten 1971 bereits in Betrieb gehen. Die Schmutzwasserkanalnetze an Land wurden bis 1976 fertiggestellt und werden seither nach Bedarf erweitert und verdichtet.

Ausführungskonzept

Am Nordufer des Ossiacher Sees sind 2 Pumpketten mit Doppelleitungen für 6 Hauptpumpstationen installiert. Vom Südufer pumpt 1 Station über eine Doppelleitung zum Nordufer, 2 Stationen pumpen über je eine Leitung direkt zum Anlandungsschacht. Im Jahre 2015 wurde eine zusätzliche Leitung am Südufer von der Pumpstation J Ossiach zum Anlandungsschacht verlegt.

Die Druckleitungen werden bei den Hauptpumpstationen an Land geführt, wo das dort durch die Ortskanalisation gesammelte Abwasser von der jeweiligen Pumpstation in die Druckleitung dazu gepumpt wird. Die Pumpenkette am Nordufer ist in der Mitte bei der Pumpstation D - Tschöran unterbrochen.  In diese Pumpstation fließen die aus A - Steindorf, B - Stiegl, C - Bodensdorf und J - Ossiach kommenden Druckleitungen frei aus. Die Pumpstation D - Tschöran pumpt das Abwasser zum Anlandungsschacht, die Pumpstationen E - Sattendorf und F - Annenheim pumpen in die vorbeiführenden Druckleitungen hinein. Die Stationen G - Lido und H - Heiligen Gestade am Südufer pumpen direkt in den Anlandungsschacht.  In der ersten Ausbaustufe waren nur Einzelleitungen vorgesehen, die zweiten Leitungen am Nordufer sollten nach Fertigstellung der Ortskanalisation umgesetzt werden.

In einer weiteren Ausbaustufe wurde zusätzlich eine Leitung am Südufer von der Pumpstation J Ossiach zum Anlandungsschacht verlegt. Somit kann das Abwasser der Pumpstation Ossiach nun direkt in den Anlandungsschacht gepumpt werden, und muss keinen Umweg mehr über die Pumpstation D Tschöran und die Norduferleitungen machen. Zudem wurden Die Pumpstationen H Berghof sowie G Lido in die neue Süduferleitung C eingebunden. Im Bedarfsfall können somit die beiden Stationen in die neue Leitung pumpen.

Insgesamt sind im Ossiacher See ca. 36 km Seedruckleitungen verlegt.

Technische Umsetzung

Leitungen aus Polyäthylen sind flexibel, glatt, sehr widerstandsfähig und können verschweißt werden. Der Werkstoff ist sehr zäh, die Rohre können nur durch hohe Temperaturen oder durch scharfe Gegenstände (Werkzeuge oder spitze Steine in Verbindung mit Bewegung) zerstört werden. Da das Material leichter ist als Wasser, schwimmen die Leitungen, auch wenn sie vollständig mit Wasser gefüllt sind. Um sie am Seeboden zu liegen zu bringen, müssen die Leitungen mit Gewichten ballastiert werden. Die Beschwerung wurde so gewählt, dass die Leitungen durch Füllen mit Luft wieder aufgeschwommen werden können.  In der ersten Ausbaustufe (1970) wurden die Rohre in 50m langen Stangen per Eisenbahn antransportiert und nachts (bei ruhendem Bahnbetrieb) auf der Strecke ausgeladen. Die Rohre wurden an Land im Bleistätter Moor verschweißt, ballastiert und über die Tiebel in den See eingeschwommen. Nachdem sie durch Motorboote richtig platziert waren, wurden die Leitungen durch Füllen mit Wasser auf den Seegrund abgesenkt. Dies ist nur durch die Flexibilität der Leitungen möglich.

In der 2. Ausbaustufe (1978, Bau der Doppelleitungen) wurden die Rohre vor Ort mit einer mobilen Extrusionsanlage „endlos" produziert. Dadurch verringerte sich die Anzahl der erforderlichen Schweißnähte wesentlich, da in Abhängigkeit von der Standzeit des Extrusionswerkzeuges bis zu 300 m lange Rohre erzeugt werden konnten. Alle Leitungen wurden im Anlandungsbereich auf 100 % des Auftriebes, im Kurvenbereich auf 80 % des Auftriebes und auf geraden Strecken auf 50 % des Auftriebes ballastiert. Weiters wurden die Rohre über Fixpunkte und Seile am Bogenanfang, Bogenscheitel und Bogenende fixiert, sodass zwar ein Aufschwimmen der Rohre durch Einblasen von Druckluft möglich ist, die Rohre aber beim anschließenden Fluten wieder annähernd dieselbe Lage am Seegrund einnehmen.

In der 3. Ausbaustufe (2015, Bau der Süduferleitung C) wurden die 30m langen Rohrabschnitte mit Elektromuffen zusammengeschweißt. Dieser Zusammenbau erfolgte in der Tiebel. Danach wurde die gesamte Leitung mittels Boote auf ihren Bestimmungsort verbracht und dann punktgenau abgesenkt und mit den betroffenen Pumpstationen verbunden.

Sicherheit - Überwachung

Jede Seedruckleitung hat am Anfang und am Ende der Leitung einen induktiven Durchflussmesser. Mit diesem Durchflussmesser werden die gepumpten Liter pro Sekunde gemessen und dem Fernwirksystem übermittelt. Entsteht eine Differenz des gepumpten Abwassers zwischen Anfang und Ende der Leitung so wird durch das Leitsystem in der Zentrale der Fernüberwachung auf der Kläranlage ein Alarm abgesetzt und der betroffene Leitungsabschnitt sofort gesperrt. Erst nach genauester Überprüfung durch das Fachpersonal des Wasserverbandes Ossiacher See kann die Sperre dieses Leitungsabschnittes wieder freigegeben werden.

Video von der Errichtung der Abwasserseedruckleitungen 2016/2017

Bericht Seedruckleitungen Ossiacher See 1970

Bau der Abwasserseedruckleitungen 2016/2017

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Errichtung Abwasserseedruckleitungen 1970

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